Initiative zur nationalen Rettung Nach der Eskalation der Ereignisse in Suweida am 12. Juli wurden die Rufe nach einem echten nationalen Dialog lauter. Die Ereignisse bedrohten die verbliebene Stabilität und den sozialen Zusammenhalt des Landes, Spaltung und Zusammenbruch schienen möglich. Als Antwort darauf haben wir am 18. Juli die Nationale Rettungsinitiative ins Leben gerufen. Wir, eine Gruppe von zivilgesellschaftlichen Aktivist*innen, die bereits an der Nationalen Dialogkonferenz am 25. Februar teilgenommen hatten, wandten uns in einem Brief an Präsident Ahmad al-Shar’a. Die Initiative sieht die Einrichtung eines offiziellen nationalen Dialogorgans vor, das aus unabhängigen syrischen Persönlichkeiten unterschiedlicher politischer, religiöser und ethnischer Herkunft besteht – mit einer starken Vertretung von Frauen und Jugendlichen. Dieses Gremium soll in Partnerschaft mit Gewerkschaften, Universitäten, politischen Parteien, zivilgesellschaftlichen Organisationen und nationalen Persönlichkeiten über 12–18 Monate hinweg inklusive Dialoge innerhalb und außerhalb Syriens führen. Ziel ist es, eine gemeinsame Vision zu zentralen Fragen zu entwickeln: von einem neuen Gesellschaftsvertrag, Grundrechten und Freiheiten über das politische System und Dezentralisierung bis hin zur Ausarbeitung einer dauerhaften Verfassung. Auch Themen wie Übergangsjustiz, Wirtschaftsreformen, Regierungs- und Sicherheitsfragen in der Übergangszeit, die Bekämpfung von Hassrede sowie die Einberufung einer Syrischen Generalversammlung sollen dabei im Mittelpunkt stehen. Die Initiative wurde bereits von mehr als 1.750 Organisationen und Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens unterzeichnet und den Mitgliedern des Komitees der Nationalen Dialogkonferenz zur Weiterleitung an den Präsidenten übergeben – verbunden mit der Bitte um ein Treffen. Auf eine Antwort warten wir zwar noch, wir sind aber fest davon überzeugt, dass ein echter nationaler Dialog der einzige Weg zu Stabilität und Wohlstand in Syrien ist. Gerne hätte ich in meinem vierten Brief aus Damaskus von positiven Entwicklungen berichtet. Doch die sozialen Risse, die das verbrecherische Assad-Regime und die langen Jahre des Krieges hinterlassen haben, vertiefen sich weiter. Vor allem, weil noch immer auf Gewalt und militärische Lösungen gesetzt wird, anstatt auf einen echten Dialog, der konsensuale Lösungen finden und Stabilität für Syrien und die Region schaffen könnte. Dennoch werden wir unsere Bemühungen fortsetzen und jede mögliche Gelegenheit nutzen. Denn die Millionen von gutherzigen Syrer*innen, die seit Jahrzehnten unter Tyrannei leiden, verdienen eine Zukunft in Freiheit, Würde und Hoffnung. Ihre Joumana Seif PS: Wenn Ihnen der Brief aus Damaskus gefällt, leiten Sie ihn gerne weiter. Wenn Sie ihn weitergeleitet bekommen haben, können Sie sich einfach über diesen Link anmelden. |